Wanderung zur Queste

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Steil ragen die weiß leuchtenden Felsen über den Häusern des kleinen Dorfes auf; Questenberg liegt reizvoll inmitten des Durchbruchstals der Nasse, das den Gipskarst-höhenzug durchtrennt. 

Der Aufstieg

Ein geeigneter Parkplatz für die Anreise mit einem Fahrzeug ist am nördlichen Ortsrand gelegen.  Von dort geht es 400 m in südlicher Richtung zunächst in das Dorf hinein. Nach rechts an einer kleinen Kreuzung abbiegen und dem Weg mit dem Questensymbol folgen. 

Am Aufstieg befinden sich die sog. Gletschertöpfe. Entgegen der ursprünglichen Annahme handelt es sich hier nicht um eiszeitliche Gletschertöpfe, sondern um das frühere Flussbett der Nasse, das seinen Lauf im Zeitraum von Hunderten von Jahren verändert hat. Von da an führt über Stufen und Steigungen der Weg 500 m auf den Berg.

Die Queste

Oben angelangt, bietet sich ein phantastischer Blick auf das ca. 100 Höhenmeter tiefer liegende Dorf und die angrenzenden Berge und Täler an. Auf der Bergspitze wurde ein Stamm errichtet, der einen eigentümlich gearbeiteten Kranz trägt. Die Queste steht im Zentrum eines großen Volksfestes, das unter Anteilnahme des gesamten Ortes jedes Jahr zu Pfingsten gefeiert wird. Das Fest geht wahrscheinlich auf ein heidnisches Sonnenritual zurück. Eine bis heute erhaltene Sage ist am Ende der Seite nachzulesen.   

Tier- und Pflanzenwelt

Der Questenberg wurde bereits im Jahre 1927 unter Naturschutz gestellt, so dass die einzigartige Schönheit des Berges bis heute erhalten werden konnte. In den letzten Jahren wurden weitere Bereiche der einmaligen Landschaft unter Schutz gestellt. Im Gebiet sind auch Teile der Kernzone des Biosphärenreservats ausgewiesen. Diese Bereiche sind von der wirtschaftlichen Nutzung ausgenommen, hier soll sich die natürliche Artenvielfalt vom Menschen ungestört entwickeln.  

Der aufmerksame Wanderer wird auf der Hochfläche eine besonders artenreiche Pflanzenwelt bemerken. Heidekraut und zahlreichen weitere Blütenpflanzen wie Gipskraut und Thymian prägen das offene Gelände. Die umgebenden ausgedehnten Laubwälder 

zeichnen sich durch das Vorkommen mehrerer Orchideenarten, Leberblümchen und Lungenkraut aus. Bemerkenswert sind die Vorkommen der Elsbeere. Die Tierwelt ist ebenfalls sehr artenreich: Im Frühjahr ist das Konzert der Singvögel beeindruckend; regelmäßig ziehen Mäusebussard, Rotmilan und Kolkrabe am Himmel ihre Kreise. Im Wald lassen sich typischerweise Schwarz- und Grauspecht beobachten. Ein Charaktertier in der Region ist der Feuersalamander, welcher hier noch recht häufig vorkommt.

Zwei Routen

Der Abstieg kann auf zwei Routen erfolgen. Eine bequeme, nicht allzu steile Variante, führt zunächst nach Westen und biegt nach ca. 200 m nach Süden ab (dem Questensymbol folgen). Der Weg führt an Karsterscheinungen, kleineren und größeren Dolinen entlang. Durch reizvolle Buchenbestände geht es durch ein langgestrecktes Tal in östlicher Richtung zur Straße nach Questenberg und ist ca. 1.100 m lang. 

Die andere Variante führt auf kürzerem aber dafür steileren Weg weiter nach Süden - wieder ins Tal nach Questenberg. Für einen sicheren Abstieg ist ein Handlauf vorhanden. 

Der Ort

Nach dem Abstieg gelangt man wieder in den Ort und folgt dem Weg 900 m in nördlicher Richtung. In Questenberg, an der steilen Felswand unterhalb der Queste, fallen die relativ großen und weiß leuchtenden Alabasterkugeln auf. Es handelt sich dabei um Kalziumsulfat, das sich an einzelnen Stellen innerhalb des Muttergesteins sammelte, bevor sich dieses gefestigt und später verhärtet hatte. 

Im Ort dominieren Fachwerkhäuser in regionaltypischer Bauweise, wobei der Unterbau mit Gesteinen aus der näheren Umgebung, beispielsweise dem Anhydrit, errichtet worden ist. 

Es geht vorbei an zwei alten Sühnekreuzen, die heute unweit des Festplatzes aufgestellt wurden. Es handelt sich sich um mittelalterliche Rechtssymbole. 

Der Blickfang des Ortes ist der bunte Roland aus Holz. Rolande sind mittelalterliche Symbole für den Besitz von Markt- bzw. Justizrechten. Der Questenberger Roland wurde erstmals 1740 erwähnt. Seine frühere Geschichte und Herkunft liegt aber im Dunkeln. 

Ein besonderes Schmuckstück ist auch die Kirche, deren Turm noch mittelalterlichen Ursprungs ist, während das Kirchenschiff im 18. Jahrhundert im Stil der damaligen Zeit um- und ausgebaut worden ist.

In nördlicher Richtung, der Hauptstraße folgend, ist der Parkplatz wieder zu erreichen. 

 

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Kurzinfo zur Strecke

 

Die Wanderung zur Queste ist eine kurze Strecke von 2-3 km Länge und hat zum Teil größere Steigungen. 

Je nach Kondition oder Lust und Laune benötigt man 60 min oder länger. 

Der Weg wird über das Symbol der Queste bzw. des Karstwanderweges gekennzeichnet. 

                                       

 

Weitere Vorschläge

 

Die Gegend um Questenberg bietet aber auch noch andere Sehenswürdigkeiten an. 

Nordöstlich des Ortes liegen auf einem Höhenzug die Reste der Questenburg, die um 1200 errichtet, und Mitte des 17. Jahrhunderts aufgegeben worden ist. 

Die Umgebung Questenbergs ist reich an eindrucksvollen Karsterscheinungen. 1 km östlich des Ortes, unweit der alten Verbindungsstraße nach Hainrode, liegt die Dinsterbachschwinde, eine eindrucksvolle Bachschwinde. Hier sollte man Vorsicht walten lassen und nicht zu nah an die Abbruchkante herangehen. Es können zu jedem Zeitpunkt tonnenschwere Felsblöcke abbrechen! 

 

 

 

 

 

 

Große Teile der Wanderrouten führen durch das Naturschutzgebiet. Es ist die Heimstatt seltener Tiere und Pflanzen, die hier ihren Rückzugsraum haben. Zu dem sind am östlich von Questenberg gelegenen Arnsberg bis zu 40 m tiefe Karstspalten im Gelände, die schon für viele große Tiere zum Verhängnis geworden sind. Das Wegegebot sollte daher unbedingt beachtet werden! 

 Zur Einkehr nach einer Wanderung bietet sich das Gasthaus "Zur Queste" in Questenberg bei der Biosphärenwirtin Liane Gast an.

 

Die Questensage

 

Vor vielen hundert Jahren lebte auf der Questenburg der Ritter Knaut.
Er hatte eine Tochter mit dem Namen Jutta, dessen Mutter bereits verstorben war. Den kleinen Liebling des Vaters betreute eine Pflegerin.

Am Tage vor dem Pfingstfest begab sich das Mädchen, welches Blumen über alles liebte, in der Mittagszeit in den Burggarten. Hier wollte sie einige der schönsten Blüten pflücken. Vergnügt durch den beständig wachsenden Strauß in ihren Händen verließ sie den Garten und ging in den nahen lichten Wald, in dem noch viele andere bunte Gewächse zu entdecken waren. Vertieft in die Sammlung der schönen Blumen bemerkte sie nicht, wie weit sie sich bereits von der väterlichen Burg entfernt hatte.
Der Tag neigte sich bereits und das Mädchen hatte noch keinen Weg zurück gefunden. Erschöpft von der anstrengenden Suche legte sie sich in der Dämmerung nieder. Im weichen Moos wollte sie die Nacht verbringen.

Die Pflegerin, die das Kind oft im Garten spielen ließ, erschrak, da sie das Tor offen stehen sah. Das Burgfräulein, das ihr anvertraut war, konnte sie nicht am steilen Hang der Burg entdecken.
Voller Angst und unter Tränen berichtete sie dem Vater vom Verschwinden seines Kindes.
Ritter Knaut gab daraufhin sofort Befehl, das nahe Gelände zu durchkämmen, bis zum Einbruch der Dunkelheit waren die Burgbediensteten auf der Suche, niemand jedoch konnte das Mädchen finden.

Am folgenden Morgen erwachte das Kind auf dem Boden liegend. Am Morgentau erfrischte sie sich und machte sich erneut auf Suche nach dem Heimweg. Die Richtung war ihr unbekannt, so dass sie nun noch weiter in den Wald gelangte.
Endlich kam sie zu einer Wiese, in deren Nähe ein Kohlenmeiler rauchte. Ein Köhler aus Rotha sah das Mädchen und brachte es in seine Hütte. Von seinem kargen Mittagsmahl gab er dem Kind etwas ab. Die Kleine stärkte sich so gut es ging. Schon bald spürte sie neue Kraft und verließ die dunkle Behausung des Köhlers.
Es war ein sonniger Tag, der die Blumen auf der Wiese leuchteten ließ. Das Mädchen setzte sich im Gras nieder, und flocht aus ihren gesammelten Blütenstengeln einen Kranz, passend für ihr Haupt. Jedoch hängte sie das Kränzchen an einen Stecken und unterlegte beides mit einem Querstöckchen, verknotet mit Gräsern. Obenauf steckte sie ein Sträußchen und die Enden des quer gelegten Hölzchens wurden mit hängenden Blumenbündeln verziert.

Auch der Vater erwachte früh am Morgen. Seine ganze Sorge galt dem vermissten Kind, er hoffte inständig es noch am Leben zu finden, denn zu damaliger Zeit gab es noch viele wilde Tiere, die die Gegend durchstreiften. Vielen Menschen war es aus dem Grunde unheimlich in den Wald zu gehen. Doch Ritter Knaut sammelte von dem ihm gehörigen Gehöften und Dörfern mutige Helfer, die das Mädchen finden sollten. Diese durchstöberten die Wälder rund um Questenberg bis hinauf vor Rotha.
Am Nachmittag wurde das Mädchen endlich gesehen. Es beschäftigte sich gerade mit dem Blumengebinde vor der Köhlerhütte. Welch Freude herrschte nun! Hörnertöne durchdrangen den dichten Wald und verkündeten das Signal zum Sammeln. Jetzt formierte sich ein großer Haufen, dem sich selbst der verrußte Köhler hinzu gesellte.
Sowohl das Kind, als auch das merkwürdige Blumengebinde, wurde von den Versammelten abwechselnd voran getragen. Man schritt auf dem kürzesten Weg hinauf zur Questenburg.
Dort vernahm man von Ferne her das Geschmetter der Hörner und Jubelrufe der Ankommenden. Der betrübte Vater stieg vom Turm hinab vor das Tor, wo sich der Lärm rasch näherte. Laut schallt’ es durch den Wald: „Wir haben das Kind gefunden!“ Bald erkannte er seine Tochter, welche er über alles liebte und schon verloren glaubte, gefunden und überbracht von seinen treuen Untertanen.
Der rothische Köhler ging auf den Ritter zu und legte das Kind an dessen besorgte Brust. Der gerührte Vater schloss es fest in seine Arme. Da sagte die Kleine unbekümmert: “Väterchen, sei nicht traurig, sieh nur, ich habe dir etwas Schönes mitgebracht“ und überreichte ihm das Blumengeflecht. Voller Freude nahm es der Vater entgegen, betrachtete es nachdenklich und fand daran etwas Besonderes.

Aus inniglicher Dankbarkeit für die Wiederauffindung des Kindes bestimmte der Burgherr:

  1. Zur Erinnerung an diese Begebenheit soll alljährlich zum heiligen Pfingstfest auf dem der Burg gegenüber liegenden Berg ein großes Gebilde, so wie es die Jutta mit den Blumen im Kleinen hergestellt hat, feierlich errichtet werden. Man nannte dieses eigenartige Mal, herrührend von den daran hängenden Quasten, die Quäste.
     
  2. Ebenso zur ewiglichen Erinnerung an das Geschehnis schenkte der Ritter den Dörfern, deren Einwohner sich an der Suche nach dem Kinde beteiligten, eine große Fläche Wald und Weide zur gemeinschaftlichen Nutzung - genannt die „Landgemeinde“. Dies betraf: Questenberg, Wickerode, Kleinleinungen, Drebsdorf, Hainrode, Breitenbach und Rotha.
     
  3. Rotha erhielt außerdem eine große Wiese, in deren Nähe das Kind gefunden worden ist, genannt die „Fräuleinswiese“. Jedoch mussten sich Rothas Einwohner verpflichten, alljährlich um Mitternacht, zwischen dem ersten und zweiten Pfingsttag, ein Brot und 4 Käse bringen, mit den Worten: „Ich bin der Mann von Rothe und bringe die Käse mit dem Brote.“ Der Pfarrer hat die Ehre, den Überbringer zu bewirten. Selbiger muss jedoch den Ort vor Sonnenaufgang wieder verlassen. Geschieht dies alles nicht ordnungsgemäß, so hat Questenberg das Recht, den Rothaern das beste Rind von der Weide zu nehmen, dies muss jedoch an Ort und Stelle verzehrt werden.
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