Historische Kulturlandschaft





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Landschaft bei Uftrungen

Das fruchtbare Vorland des Harzes wird seit ca. 7 000 Jahren von Menschen besiedelt. Damals, in der Jungsteinzeit, begannen die Menschen, Landwirtschaft zu betreiben. Sie rodeten Wälder und gründeten erste Siedlungen. Damit begann die Entstehung der durch menschliche Tätigkeit geformten Landschaft, der Kulturlandschaft. Ab dem frühen 9. Jahrhundert wurde dann das Gebiet systematisch erschlossen und besiedelt. Wälder wurden im großen Umfang gerodet. Davon zeugen heute noch zahlreiche Ortsnamen, z.B. Hainrode, Rottleberode oder Schwenda. Aufgrund der vielfach komplizierten natürlichen Bedingungen prägt auch heute eine kleinteilige Landschaft das Bild in der Region: Überschaubare Felder wechseln mit Wäldern, Streuobstwiesen und anderen Landschaftselementen.



Bergbautradition


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Familienhalden bei Pölsfeld

Der Bergbau und die damit verbundene Weiterverarbeitung des gewonnenen Kupferschiefers bzw. der Eisen- und Silbererze besaßen über einen sehr langen Zeitraum eine überragende Bedeutung und hatten erheblichen Einfluss auf die Gestaltung der Kulturlandschaft. Alte Schächte und Stollen, Schlacken- und Schachthalden sind Zeugen dieses traditionsreichen Gewerbes. Insbesondere im Gebiet zwischen Hainrode und Pölsfeld künden zahlreiche kleine „Familienhalden“ – heute zumeist mit Bäumen bestanden – vom ehemals bedeutsamen Bergbau. Im 18. Jahrhundert erreichte der Bergbau einen Höhepunkt und brachte der Region einen gewissen Wohlstand, erkennbar noch heute an den meisten Dorfkirchen, die vielfach ganz nach dem damaligen barocken Zeitgeschmack um- und ausgebaut wurden.



Landwirtschaft


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Streuobstwiese

Von entscheidender Bedeutung blieb jedoch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Landwirtschaft – praktisch jede Familie bewirtschaftete zumindest ein kleines Stück Land oder einen Garten und hielt Tiere. Das hatte zur Folge, dass jedes Stück Land genutzt und verwaltet wurde. Bestimmende Wirtschaftsform im Feldbau wurde ab dem 12. Jahrhundert die Dreifelderwirtschaft. Der Gemeindehirte hütete das Vieh vom Frühjahr bis zum Einbruch des Winters auf den Weideflächen, den Hutungen, auf den Brachflächen und im Wald. In den Stall kamen die Tiere lediglich zum Übernachten oder im Winter. Gefördert durch landesherrliche Erlasse wurden im 18. Jahrhundert die „raumen“, die kahlen Hutungsflächen, systematisch mit Obstbäumen bepflanzt. Diese zumeist an Hängen gelegenen Flächen, heute als „Streuobstwiesen“ bezeichnet, prägen immer noch weithin das Bild des südlichen Harzrandes.

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Feld am Höhenwanderweg

Die Separation (Flurbereinigung) bewirkte in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen tief greifenden Wandel in der Landbewirtschaftung, was sich in der Folge auch auf das Landschaftsbild auswirkte: Zahlreiche Hutungsflächen wurden in Ackerland umgewandelt, und damit verschwand die Viehhutung weitgehend aus der Landschaft, während sich die Stallhaltung und -fütterung durchsetzte. Die Dreifelderwirtschaft wurde abgelöst von der Fruchtwechselwirtschaft, und es entstand ein systematisch angelegtes Netz von Feldwegen.



Forstwirtschaft


Die Wälder wurden bis zum 19. Jahrhundert intensiv und vielfältig genutzt. Insbesondere der Bergbau und die damit in Verbindung stehende Hüttenindustrie verbrauchten ungeheure Mengen an Holz und Holzkohle. Selbst kleinste Holzsortimente und Stubben wurden einer Nutzung zugeführt. Die vorherrschende Bewirtschaftungsform waren der Nieder- und Mittelwald. Daneben wurde der Wald landwirtschaftlich genutzt, z. B. als Weideland – im gesamten Gebiet war Waldweide mit Rindern üblich. Das Laub wurde als Futter und Einstreu für die Stallungen gesammelt, und die im Wald wachsenden Gräser wurden als Futter gerupft bzw. gesichelt. Während dieser Nutzung hatte der Wald ein anderes Aussehen als heute. Er war ein reiner Laubwald, der im Vergleich zu heute wesentlich vorratsärmer war. Nur wenige Bäume ließ man 80 Jahre und älter werden.

Zeitgleich mit dem Wandel der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert vollzogen sich auch in der Waldbewirtschaftung weitreichende Veränderungen. Die landwirtschaftlichen Nutzungen wurden schrittweise beendet; es erfolgte der Übergang von der Mittelwald- zur Hochwaldbewirtschaftung. Hinzu kam ein verstärkter Anbau von Nadelbäumen, insbesondere der Fichte.



Besiedlung


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Fachwerkstadt Stolberg

Teil der Kulturlandschaft sind die Ortschaften, die in ihrer Gestaltung entscheidend von der Verwendung regionaler Baumaterialien – Holz (Fachwerk) und Bruchstein – geprägt sind. Herausragendes Beispiel ist die Stadt Stolberg als eine der vier bedeutendsten Fachwerkstädte im Land Sachsen-Anhalt.

Die Siedlungen entstanden überwiegend im 8. bis 10. Jahrhundert im Zuge des inneren Landesausbaus, als im großen Umfang der Wald gerodet und in Ackerland umgewandelt wurde.  Bereits im 13. Jahrhundert war das gesamte Gebiet dicht besiedelt, und der Wald musste auch in den höheren Gebirgslagen weithin gerodet worden. Die spätmittelalterliche Agrarkrise, hervorgerufen durch eine Klimaverschlechterung, die große Pestpandemie in den Jahren 1349 bis 1353 und insgesamt politisch unruhige Zeiten führten dazu, dass etwa zwei Drittel der bis dahin bestehenden Siedlungen aufgegeben wurden und wüst fielen. Heute leben 41321 Bürger in der Region in vier Gemeinden mit insgesamt 28 Ortsteilen (Stand: 31.12.2009). Inmitten des Großschutzgebietes liegt die Stadt Stolberg, die Kreisstadt Sangerhausen unmittelbar am Rand des Gebietes.



Politische Entwicklung


Im 10. Jahrhundert entwickelte sich das gesamte Harzgebiet unter den salischen Königen als Reichsgut zu einem Zentrum der Reichsgewalt. Sichtbarer Ausdruck dafür waren die Pfalzen, die den Harz umgaben. Zu deren bedeutendsten zählte die Pfalz in Wallhausen, der um 994 das Markt-, Münz- und Zollrecht verliehen wurde. Nach der Schlacht am Welfesholz bei Hettstedt im Jahr 1115, in deren Ergebnis die kaiserliche Reichsgewalt entscheidend geschwächt wurde, bauten die bisherigen Dienstmannen des Königs, die Ministerialen, ihre Machtstellung aus und entwickelten sich zu lokal bedeutenden Herrschern. Im Gebiet des Südharzes setzten sich schließlich die Grafen zu Stolberg durch.

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Grasburg Rottleberode

Ausdruck des Herrschaftswillens waren die Burgen, die auch im Südharz in großem Umfang errichtet wurden, so wie die Burgen in Questenberg, Morungen und Grillenberg. Im 16. Jahrhundert wurden die meisten dieser Burgen von ihren Besitzern aufgegeben oder zu Schlössern erweitert. So haben die Schlösser in Stolberg, Roßla und Wallhausen ihren Ursprung in zuvor errichteten Burganlagen. Die aufgegebenen Burgen verfielen und sind als zumeist eindrucksvolle Ruinen in exponierter Lage heute beliebte Ausflugsziele, beispielsweise eben diejenigen bei Questenberg, Morungen und Grillenberg.

Bedeutendste Territorialmacht war vom 14. Jahrhundert an das Kurfürstentum Sachsen, dem sich bis 1740 auch die Grafen zu Stolberg-Roßla und Stolberg-Stolberg unterordnen mussten. Nach 1815 wurde das gesamte Gebiet des Harzes von Sachsen an Preußen abgetreten, das eine administrative Neuordnung durchsetzte. Im Jahr 1816 wurde der „Landräthliche Kreis Sangerhausen“ als Teil der neuen Provinz Sachsen geschaffen. Diese Ordnung galt im Wesentlichen bis 1945, als die sowjetische Besatzungsmacht die Provinz Sachsen-Anhalt schuf, die dann als Land Sachsen-Anhalt Teil der 1949 gegründeten Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde. Seitdem im Jahre 1952 die Länder in der DDR aufgelöst wurden, war der Kreis Sangerhausen Bestandteil des Bezirkes Halle, bis im Jahre 1990 das Land Sachsen-Anhalt erneut entstand. Heute liegt das Biosphärenreservat Südharz im Landkreis Mansfeld-Südharz.