Wanderung zum Bauerngraben

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Die Wanderung führt vom Parkplatz durch den bewaldeten Gipskarsthöhenzug zum Bauerngraben, der größten Bachschwinde in der Region. 

Durch den Gipskarsthöhenzug
 

Die Tour beginnt vom Parkplatz an der Landstraße (L234) zwischen Rossla und Agnesdorf. Vom Parkplatz nimmt man den Weg über die Straße in westlicher Richtung . 

Kernzone

Die erste Strecke durchquert der Weg eine Kernzone des Biosphärenreservats. Es ist ein noch recht junger Wald. Die Fläche wurde vor nicht allzu langer Zeit noch wirtschaftlich genutzt. 

Jetzt ist dieses Areal eine Fläche, in der sich die natürlichen Prozesse entwickeln können. Dies gelingt nur, wenn der Mensch auf eine wirtschaftliche Nutzung verzichtet. So wird in Zukunft auf einen Holzeinschlag und andere regulierende Maßnahmen verzichtet. Die Kernzonen umfassen ca. 918 ha, das sind etwa 3 % der Gesamtfläche des Biosphärenreservats. 

Bisher wurden ca. 700 m zurückgelegt. Nach einer starken Biegung nach Norden, führt der Weg am Rand der Kernzone vorbei. Danach geht die Route auf dem anderen Weg weiter, nach links abbiegen. 

Pflegezone

Die Strecke führt jetzt durch die Pflegezone des Biosphärenreservats. Neben der Kernzone, in der die Natur weitestgehend sich selbst überlassen ist, sollen die Pflegezonen dem Erhalt und zur Pflege der Ökosysteme dienen. Eine Kernzone ist meist von einer Pflegezone umgeben, dadurch werden die sensiblen Bereiche abgeschirmt. Die Pflegezonen umfassen ein breites Spektrum verschiedener Lebensräume für eine Vielzahl naturraumtypischer aber auch bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Es können also Wälder, aber auch Offenlandflächen zu einer Pflegezone gehören. 

Dolinen

Für ca. 400 m verläuft der Weg in Richtung Westen. Ringsum fallen größere und kleinere Trichter im Boden auf. Es handelt sich um Dolinen. Diese Erscheinungen sind für das Gebiet typisch und zeugen von der hohen geologischen Aktivität. 

Dolinen entstehen durch Lösungsvorgänge an der Erdoberfläche, im Gegensatz zum so genannten Erdfall, der eine Lösungserscheinung bezeichnet, die durch Vorgänge im Erdinneren ausgelöst wurde. Mehrere aneinandergereihte Erdfälle bzw. Dolinen werden als Uvalas bezeichnet. 

Diese Landschaftsformen werden durch die hohe Löslichkeit der unter der Erdoberfläche liegenden Sulfatgesteine Anhydrit und Gips verursacht. Anhydrit geht in Verbindung mit Wasser in Gips über, ist aber im Gegensatz zu Gips von größerer Festigkeit, während Gips weicher ist und schneller verwittert. Seine Löslichkeit in 1 l Wasser liegt bei 2 g, wobei sich der Lösungsprozess des Gesteins anfänglich sehr schnell, danach verlangsamt vollzieht. 

An einer Abzweigung (Hinweismarkierung beachten) sollte nun  die rechte Seite gewählt werden, diese führt zum Bauerngraben. Dort findet man eine kleine Wiese, von der der Blick auf das Becken führt. 

Der Bauerngraben

Der Bauerngraben ist die eine große Bachschwinde, sie  gehören zu den eindrucksvollsten geologischen Erscheinungen im Gipskarst. Im Falle des Bauerngrabens stößt der aus dem Harz kommende Glasebach auf den Gipskarsthöhenzug. Durch die Auslaugungsvorgänge ist das Höhenniveau des Beckens immer weiter abgesenkt worden und hat auf einer Seite die weiß leuchtende Steilwand heraus gebildet. 

Der Bauerngraben wird auch als periodischer See bezeichnet, obgleich die Bezeichnung „episodischer See“ zutreffender ist.

Je nachdem, ob die Schlucklöcher (Ponore), die das Wasser unterirdisch ableiten, verstopft oder frei sind, füllt sich das Seebecken oder läuft leer.

Das Seebecken ist ca. 350 m lang, 100 m breit und hat eine Flächengröße von 3,4 ha. Es kann bis zu 200 000 m³ Wasser fassen. Das Phänomen dieses Sees ist schon seit hunderten Jahren nachgewiesen. Die eigentümlichen Verhältnisse haben zu einer speziellen Regelung der Nutzungsrechte geführt: Lag der See trocken, besaß die Pfarre von Breitungen das Recht, das Seebecken landwirtschaftlich zu nutzen. War das Seebecken hingegen wassergefüllt, hatte die Gemeinde Roßla das Fischereirecht.

Erste Route

Von hier geht der Weg weiter nach Westen. Der Glasebach führt zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich viel Wasser. Sollte er zu überqueren sein, geht der Weg rund um die westliche Seite des episodischen Sees. Von dieser Seite kann man sehr gut sehen, wie sich Geröll vom Hang sammelt. Unweit des Beckenrandes ist ein Ponor, der das Wasser aufnimmt. Immer dem Beckenrand auf dem Weg folgend, beginnt nun ein Anstieg. 

Zweite Route

Sollte der Glasebach nicht zu überqueren sein, kehren Sie um und folgen dem Weg bis zu der vorher passierten Abzweigung und wenden sich nach rechts. Es geht jetzt hinauf.  

Am Steilhang

Beide Varianten führen an die südliche Abbruchkante heran. Teilweise sind mittlere Steigungen zu bewältigen, nutzen Sie den Handlauf, um den Aufstieg abzusichern. Gelegentlich sind im Boden tiefe Risse und Spalten zu erkennen. Bleiben Sie auf dem Weg! Die Ränder sind oftmals rutschig und die Spalten teilweise sehr tief, schon manchem Tier sind diese Spalten zur Falle geworden. 

Abrissspalten

Die Abrissspalten entstehen an den Steilhängen. Ursache ist zunächst wieder die Unterlaugung der Steilwand und das damit verbundene Abreißen des Gesteinsverbandes. Dieser Prozess endet mit dem Absturz einer gesamten Partie von der Steilwand in das Tal.

Die Spalten können eine Länge von 150 m und eine Höhendifferenz von 30 m erreichen. Aktuelle Messungen zeigen, dass die Bewegungen in 10 Jahren ungefähr 1 mm betragen.

Die unmittelbare Umgebung des Bauerngrabens ist mit einem naturnahen Laubmischwald aus Buche, Eiche, Ahorn, Esche und Elsbeere bestanden, was dazu geführt hat, dass dieser Bereich in die Kernzone des Biosphärenreservates einbezogen wurde. Durch die reich strukturierte Landschaft konnte eine große Artenvielfalt bewahrt werden. In den Wäldern wachsen zahlreiche Orchideenarten, Leberblümchen und andere Spezien. Die artenreiche Vogelwelt lohnt insbesondere im Frühjahr eine Wanderung. Dominieren im März Singdrossel, Amsel, Rotkehlchen, Zaunkönig und Ringeltaube das Vogelkonzert, kommen im Laufe des Aprils bis in den Mai noch mehrere Singvogelarten hinzu. 

einzigartige Karstlandschaft

Von der Abbruchkante kann man den Blick ins nördlich gelegene Auslaugungstal schweifen lassen. Diese Landschaftsform ist auch das Ergebnis der Karsterscheinungen. 

Die Region ist eine europaweite Besonderheit. Die mannigfaltigen Erscheinungen im Sulfatgestein spielen sich, geologisch gesehen, im Zeitraffer ab. D.h. innerhalb eines Menschenlebens ist es möglich die Veränderungen der Landschaft zu erleben. Der Begriff Karst kommt aus dem Slowenischen bzw. Serbokroatischen und bedeutet „steiniger, karger Boden“. Karstlandschaften im Sulfatgestein wie im Südharz sind weitaus seltener, da die meisten Karstformen der Erde in Kalkgesteinen entstanden sind. Das Karstgebiet des Südharzes gehört zudem mit seiner von Wäldern und Wiesen bedeckten Oberfläche zum Typ des sog. „grünen Karsts“. 

Der Rückweg erfolgt jetzt wieder in östlicher Richtung, dabei trifft man wieder auf den Weg, der an den Dolinen vorbeiführt. Die etwa 1.000 m lange Strecke führt noch einmal durch die Kernzone. 

Biosphärenreservat als Modellregionen

Diese Großschutzgebiete sollen einen besonderen Ausschnitt der Landschaft Schutz gewähren. Die Karstlandschaft ist eine einzigartige Region, die Lebensraum sonst bereits verdrängter Tiere und Pflanzen ist. Das Schutzgebiet soll aber nicht nur die Natur erhalten, es hat auch eine Entwicklungsfunktion. Die menschliche Nutzung der gegeben Ressourcen soll gefördert werden und neue Modelle für ein nachhaltiges Wachstum erprobt werden. Im Südharz gibt es viele Potentiale, die noch geschöpft werden müssen um der Region eine Zukunft zu geben. 

Zurück am Parkplatz angelangt, besteht noch die Möglichkeit den Streuobstlehrpfad abzugehen. Dieser führt in südliche Richtung und erklärt den Wert und die Nutzung der Streuobstflächen. 

Im gesamten Biosphärenreservat sind vielfältige Wanderstrecken erlebbar. Nutzen Sie auch die Angebote von geführten Wanderungen. Termine sind auf unserer Seite veröffentlicht.